Apple killt sein App-Ecosystem

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Gestern war es wieder soweit. An der WWDC 2015 wurden die Softwareupdates von Apple vorgestellt. Vor allem bei iOS wurde viel unter der Haube gemacht und bestehende Apps verbessert und einige neue herausgebracht.

Apple hat ja den Vorteil, dass sie genau wissen, welche App wieviel Mal gekauft wird; somit kann auch der Bedarf der Benutzer einfach erkannt und zu Apples Nutzen eingesetzt werden. Dies zum Leid der unabhängigen App-Hersteller, die innerhalb von Tagen von einer glänzenden Zukunft in ein dunkles Tal der Tränen stürzen können. Ich rede hier aber nicht vom  «armen» Google, welches man mit Apple-Apps konkurrenziert, sondern von den kleinen Firmen, denen Apple wirklich Schaden zufügen kann. Aktuell kommen mit iOS9 die Apps Flipboard, Spotify, Wunderlist und Evernote massiv in Bedrängnis, zumindest das kann ich anhand der letzten Keynote sagen. Nun, Wunderlist tut es nicht mehr weh, da diese erst letzte Woche für 200 Millionen von Microsoft gekauft wurden. Die haben einen sauberen Exit geschafft und müssen iOS9 nicht mehr fürchten.

Bei den anderen Herstellern sieht es anders aus. Ich will hier aber nicht konkret auf die einzelnen Tools eingehen, sondern auf das prinzipielle Vorgehen von Apple, welches auf lange Sicht falsch ist und den App-Markt (zer-)stören wird.

Niemand hat etwas dagegen, wenn Apple sein Betriebssystem verbessert und es mit schon lange überfälligen Funktionen erweitert. Kein Thema, das muss sogar sein. Ist es sogar legitim, dass man Funktionen, welche von Drittherstellern angeboten werden, in sein geschlossenes System implementiert. Was aber falsch ist, ist dass man diesen Firmen dafür nichts bezahlt. Zumindest dann, wenn es so offensichtlich ist, wie zum Beispiel mit Apple Music und Spotify oder Pandora. Hier muss Apple einen neuen Kurs einschlagen: Entschädigt die Firmen zumindest mit einem realen Preis. Also vielleicht nicht hunderte von Millionen wie bei einem Exit, aber ein paar Dutzend Millionen dürften es schon sein, denn diese haben das Fundament gelegt, damit ihr noch mehr Gewinn einfahren könnt. Mit den –zig Milliarden an Barreserven, kann sich das Apple aus der Portokasse leisten.

Natürlich muss das Apple nicht tun, aber schauen wir die Situation aus Sicht der App-Entwickler an: Für die ist klar, dass sobald deren Geschäftsidee (zu) erfolgreich wird, diese von Apple kopiert wird und somit dies das Ende der App/Unternehmen bedeuten kann. Die Konsequenzen daraus? Nun, die sind unklar, aber es wird nicht dazu führen, dass das Vertrauen in Apple gesteigert wird. Die Diversifizierungs-Strategie von Apple ist das Problem.  Man macht sich am Ende mehr kaputt, als dann man gewinnen wird.

Mein Tipp an die Jungs aus Cuppertino: Wenn ihr euch schon von anderen Firmen «inspirieren» lässt, dann zahlt den Firmen auch anständig Geld dafür. Und aus dem Vorgehen könnte man auch sehr gut ein Geschäftsmodell machen –> Aussergewöhnlich gute Apps werden von Apple «offiziell» zu fairen Preisen gekauft. Dies gäbe eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Und wenn der Hersteller dies nicht will, dann sei es so.

.over-ende-und-out

3 Kommentare

  1. Lorenz Happinou Inou Tchatchoua

    11. Juni 2015 um 8:55

    Warum bitte Geld an die anderen Firmen bezahlen? Wenn Spotify und die anderen genannten am Markt bleiben wollen, müssen sie ihr Service erweitern und verbessern, das ist ganz normale Konkurrenz zwischen verschiedenen Firmen wie sie in jeder Branche passiert. Der Konkurrenzkampf ist im Kapitalismus notwendig damit Services verbessert und immer mehr Geld eingenommen wird; die wirtschaftliche Einstellung im Kapitalismus ist „ewiges Wachstum“, auch wenn das rein praktisch aufgrund eines begrenzten Planeten unmöglich ist. Und Evernote und Co sind nur dann tot, wenn die Leute auch auf Apples Service umsteigen, der Mensch ist ein Gewohnheitstier, ich glaube nicht dass die neue Notizen-App so viele Evernote-User zum Umsteigen überzeugt.
    Außerdem: Hat die Smartphone-Industrie der Navigationsgeräte-Industrie Entschädigung gezahlt? Nein. Hat die Tablet-Industrie der Papier-Industrie Entschädigung gezahlt? Auch nicht. Es ist einfach ein ewiger Kampf in dem manche fallen und andere aufsteigen.
    Ich hatte noch nie einen Streaming-Service auf meinem iPhone installiert, und nachdem AppleMusic nicht teurer ist als die anderen und mit dem nächsten Update automatisch auf meinem Handy ist, sehe ich keine Einwände dieses Service zu verwenden, zusammen mit meiner Familie, 15$/Monat sind ja lächerlich wenig für 6 Personen 🙂

    • pascal

      11. Juni 2015 um 17:18

      Prinzipiell bin auch Deiner Meinung.
      Aber womit ich ein Problem habe, ist dass Apple der exklusive Hersteller der Hardware ist. Bei jedem anderen Softwarehersteller gebe ich recht. Da spielt der Markt und das soll auch so sein. Apple nützt hier seine Stellung aus und deshalb bin ich der Meinung, dass man den anderen Firmen etwas bezahlen sollte, wenn man deren Produkte kopiert. Würde ich machen, wenn ich in deren Position wäre, aber wahrscheinlich würde Apple dann mit diesem Eingeständnis von US-Anwälten geschlachtet werden.
      Nun ja, vielleicht bin ich einfach nur zu sozial und will nicht verstehen, dass Kapitalismus halt mal so funktioniert.

  2. Apple killt ßein Ökosystem nicht! Sie stärken es und ich finde sie gehe (noch) nicht weit genug.
    Man schaue sich nur mal Google an. Google hat so praktisch alles im Angebot was man so braucht und sie bieten es für jedes System an. Auf dem iPhone braucht man keine einzige Apple App nutzen. Von Gmail kommt man zu Chrome und von da aus zu YouTube. Es gibt Software für Bild und Videobearbeitung und ein ganzes Office Paket inklusive Cloud. Bei MS sieht es nicht anders aus. Bis auf das es keinen MS Internetexplorer für iOS gibt.
    Wenn Apple da mithalten will, dann müssen sie ihre Apps auch für andere Betriebssysteme schreiben, denn sonst fragt sich der Anwender irgendwann, hey wie kann ich meine Notizen vom iPhone auf dem Windows PC sehe? Ah ich nutze Evernote, dass gibt es für beide Betriebssyteme.
    Und nur mal so nebenbei, Spotify macht Minus und zahlt den Künstlern kaum etwas. Mit dem kostenlosen Angebot schaden sie meiner Meinung nach den Markt auch noch, denn man verliert den Bezug zu dem Wert des Produktes. So ein Musiker lebt auch nicht von Liebe und Luft und nicht jeder ist Mainstream und macht Musik die 24/7 im Radio spielt und hat dicke Werbeverträge. Natürlich weiß man nicht was Apple zählt, aber der Dienst ist ja noch Jung, evtl. schafft Apple es ja auch unbekannteren Künstlern eine profitabel Plattform zu schaffen.

    Fazit: Ein Betriebssytsem sollte schon möglichst alle Bereiche abdecken und die Möglichkeit bieten Alternativen zu nutzen. Das geht unter iOS mal mehr mal weniger, aber Apple öffnet sich. So kann man ja Beispielsweise inzwischen andere Tastaturen unter iOS nutzen. Ich mache mir da jedenfalls keine Sorgen, denn ist ist Utopisch zu denken wir hätten irgendwann nur noch Geräte von Apple. Da Android, Windows und iOS zueinander kompatibel bleiben müssen, wird Apple sich nie anderen Apps gegenüber verschließen können.

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